Ein hängendes Augenlid zu schminken, um den Blick zu öffnen, beruht auf einer einzigen, entscheidenden Technik: der Schaffung einer neuen, höheren Lidfalte durch eine optische Täuschung. Überraschenderweise geht es nicht darum, das überschüssige Augenlid zu kaschieren, sondern es als eine einzigartige Leinwand zu betrachten, auf der Licht und Schatten neu verteilt werden. Viele glauben, dunkle Farben seien tabu, doch das Gegenteil ist der Fall, wenn sie strategisch eingesetzt werden. Doch wie genau platziert man den Lidschatten, damit dieser Effekt nicht künstlich, sondern natürlich und strahlend wirkt? Die folgenden Schritte enthüllen die Geheimnisse der Visagisten, um jedem Auge eine unglaubliche Tiefe und Ausdruckskraft zu verleihen und das Augenlid gekonnt in Szene zu setzen.
Die Wahrnehmung neu gestalten: Mehr als nur Make-up
Anna Schmidt, 34, Grafikdesignerin aus Berlin, erzählt: „Jahrelang habe ich dunklen Lidschatten vermieden, weil ich dachte, er drückt mein Auge noch mehr. Als ich lernte, ihn richtig über der eigentlichen Lidfalte zu platzieren, hat das mein ganzes Gesicht verändert. Ich fühle mich wacher und selbstbewusster.“ Diese Erfahrung zeigt, dass es beim Schminken eines hängenden Augenlids nicht um das Verstecken geht, sondern um das bewusste Lenken der Aufmerksamkeit. Es ist eine Technik, die das Selbstvertrauen stärkt, indem sie die natürliche Schönheit des Auges hervorhebt, anstatt einen vermeintlichen Makel zu korrigieren. Das Ziel ist es, die Illusion von mehr Raum zwischen Wimpernkranz und Braue zu schaffen, was dem gesamten Gesicht eine frischere und offenere Ausstrahlung verleiht. Diese subtile Veränderung der Proportionen am Augenlid kann eine erstaunlich große Wirkung haben.
Die Grundlage für den perfekten Augenaufschlag
Bevor der erste Pinselstrich erfolgt, ist die Vorbereitung des Augenlids entscheidend. Ein spezieller Lidschatten-Primer ist bei einem Schlupflid kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Er verhindert, dass sich die Farbe im Laufe des Tages in der Lidfalte absetzt oder durch die Reibung der Hautpartien verwischt. Der Primer schafft eine glatte, haftende Oberfläche, die die Pigmente intensiviert und ihre Haltbarkeit über Stunden sichert. Diese Basis sorgt dafür, dass die kunstvolle Schattierung auf dem Augenlid den ganzen Tag über makellos bleibt.
Eine neutrale Leinwand schaffen
Nach dem Primer wird das gesamte bewegliche Augenlid bis hoch zum Brauenbogen mit einem matten, neutralen Lidschatten grundiert. Ein heller Beige- oder Cremeton eignet sich hierfür ideal. Dieser Schritt neutralisiert eventuelle Rötungen oder Äderchen auf dem Augenlid und schafft eine einheitliche Basis. Diese helle Leinwand des Auges lässt die nachfolgenden Farben klarer und definierter erscheinen und ist der erste Schritt, um das Auge optisch zu vergrößern und das Augenlid für die Schattierung vorzubereiten.
Die Technik der schwebenden Lidfalte
Der Kern der Technik für ein hängendes Augenlid liegt darin, eine neue Lidfalte optisch zu erschaffen. Diese wird nicht in der natürlichen, oft verdeckten Falte platziert, sondern sichtbar darüber. So wird dem Auge mehr Tiefe und Definition verliehen, selbst wenn es geöffnet ist. Diese Methode erfordert ein wenig Übung, aber das Ergebnis ist ein wacher und gelifteter Blick, der die natürliche Form des Auges respektiert und verschönert.
Schritt 1: Die neue Kontur finden und definieren
Schauen Sie bei der Anwendung direkt und mit geöffneten Augen in den Spiegel. Nehmen Sie einen matten Lidschatten in einem mittleren Ton – Taupe, ein sanftes Braun oder ein gedämpftes Grau sind perfekt. Mit einem weichen, abgerundeten Pinsel tragen Sie die Farbe nun genau dort auf, wo das bewegliche Augenlid auf den Knochen unter der Augenbraue trifft. Diese Linie, die auch bei geöffnetem Auge sichtbar bleibt, wird Ihre neue, künstliche Lidfalte. Sie zeichnen quasi eine neue Architektur für Ihr Augenlid.
Schritt 2: Weiche Übergänge für ein natürliches Ergebnis
Nachdem die neue Kontur platziert ist, kommt der wichtigste Teil: das Verblenden. Mit sauberen, kreisenden und wischenden Bewegungen wird die Farbe sanft nach oben und außen verblendet. Der Übergang sollte weich und rauchig sein, ohne harte Kanten. Ziel ist es, einen Schatten zu imitieren, der dem Auge Tiefe verleiht, ohne dass man eine klare Linie erkennt. Diese Schattierung auf dem oberen Teil des Augenlids ist das Geheimnis des gesamten Looks.
Schritt 3: Das bewegliche Augenlid zum Leuchten bringen
Nun kommt der Kontrast ins Spiel. Auf den sichtbaren Teil des beweglichen Augenlids, also den Bereich unterhalb Ihrer neu geschaffenen Falte, tragen Sie einen hellen, gerne auch schimmernden Lidschatten auf. Farben wie Champagner, Roségold oder ein helles Perlmutt fangen das Licht ein und lassen diesen Bereich des Augenlids optisch hervortreten. Dieser „Pop of Light“ sorgt für die dreidimensionale Wirkung und lässt das Auge größer und strahlender wirken.
Die finalen Akzente: Lidstrich und Wimpern
Die Definition durch Eyeliner und Mascara ist der letzte, aber entscheidende Schliff, um den Blick zu vollenden. Bei einem hängenden Augenlid können diese beiden Elemente den Lifting-Effekt entweder unterstützen oder zunichtemachen. Die richtige Anwendung ist daher von größter Bedeutung, um die zarte Hautpartie rund um das Auge optimal zu betonen.
Der unsichtbare Lidstrich
Ein dicker, schwarzer Balken auf dem Wimpernkranz würde den mühsam geschaffenen Platz auf dem beweglichen Augenlid wieder verdecken. Stattdessen ist ein sehr dünner Lidstrich direkt am Wimpernansatz ideal. Noch besser ist die „Tightlining“-Technik, bei der die obere Wasserlinie mit einem dunklen Kajalstift nachgezeichnet wird. Dies verdichtet die Wimpern optisch, ohne wertvollen Platz auf dem Augenlid zu beanspruchen. Ein kleiner, eher gerade nach außen gezogener Wing kann das Auge zusätzlich verlängern.
Der Schwung der Wimpern
Geben Sie Ihren Wimpern mit einer Wimpernzange einen kräftigen Schwung nach oben. Dieser einfache Schritt öffnet den Blick sofort und sorgt dafür, dass die Wimpern nicht vom oberen Augenlid verdeckt werden. Tragen Sie anschließend großzügig Mascara auf, wobei Sie die Bürste besonders am Ansatz ansetzen und in Zick-Zack-Bewegungen zu den Spitzen ziehen sollten. Konzentrieren Sie sich dabei auf die Wimpern in der Mitte und am äußeren Augenwinkel, um einen fächerartigen Effekt zu erzielen.
Typische Fehler und ihre clevere Lösung
Selbst mit der besten Anleitung können kleine Fehler passieren, die den gewünschten Effekt schmälern. Die folgende Tabelle zeigt die häufigsten Stolpersteine beim Schminken eines Schlupflids und wie man sie elegant umgeht, um das Augenlid perfekt zu inszenieren.
| Häufiger Fehler | Warum es nicht funktioniert | Die richtige Technik |
|---|---|---|
| Dunklen Lidschatten in die natürliche Lidfalte geben | Die Farbe verschwindet bei geöffnetem Auge und verkleinert es optisch. | Die dunkle Farbe oberhalb der natürlichen Falte auftragen, sodass sie sichtbar bleibt. |
| Einen dicken Eyeliner auf das bewegliche Augenlid malen | Er nimmt den gesamten sichtbaren Platz weg und lässt das Auge kleiner wirken. | Eine sehr dünne Linie am Wimpernkranz ziehen oder die Tightlining-Technik anwenden. |
| Den Lidschatten nicht verblenden | Harte Kanten wirken unnatürlich und betonen das hängende Augenlid eher. | Alle Übergänge mit einem sauberen Pinsel weich und rauchig ausblenden. |
| Schimmer auf dem gesamten Augenlid verwenden | Schimmer hebt hervor und kann die Schwellung des oberen Augenlids betonen. | Matte Töne für die Kontur verwenden und Schimmer nur auf das bewegliche Lid und den inneren Augenwinkel setzen. |
Letztendlich ist die Kunst, ein hängendes Augenlid zu schminken, eine Übung in optischer Illusion und Selbstakzeptanz. Es geht darum zu verstehen, wie man mit Licht und Schatten spielt, um die eigene, einzigartige Augenform zum Strahlen zu bringen. Die wichtigste Regel ist, die neu geschaffene, höhere Lidfalte als zentrales Element zu betrachten und helle Akzente auf dem beweglichen Augenlid und unter dem Brauenbogen zu setzen. Mit etwas Übung wird diese Technik zur zweiten Natur und verwandelt das tägliche Make-up-Ritual in einen kreativen Akt, der nicht nur den Blick, sondern auch das Selbstbewusstsein öffnet. Experimentieren Sie mit Farben und Texturen, um herauszufinden, was Ihre Augen am schönsten leuchten lässt.
Kann ich bei einem hängenden Augenlid schimmernden Lidschatten verwenden?
Ja, absolut! Der Schlüssel liegt in der Platzierung. Verwenden Sie schimmernde oder metallische Töne gezielt auf dem beweglichen Teil des Augenlids, um diesen Bereich hervorzuheben und das Licht zu reflektieren. Auch ein Tupfer im inneren Augenwinkel öffnet den Blick. Vermeiden Sie jedoch Schimmer auf dem hängenden Teil des Augenlids über der Falte, da dies diesen Bereich betonen und ihn geschwollener erscheinen lassen könnte. Dort sind matte Töne die bessere Wahl.
Welcher Eyeliner-Stil ist am besten für ein Schlupflid geeignet?
Ein sehr dünner Lidstrich ist ideal, da er den Wimpernkranz definiert, ohne wertvollen Platz auf dem sichtbaren Augenlid zu beanspruchen. Die „Tightlining“-Methode, bei der die obere Wasserlinie gefärbt wird, ist ebenfalls hervorragend, um die Wimpern voller wirken zu lassen. Wenn Sie einen Wing mögen, ziehen Sie ihn eher gerade nach außen als steil nach oben, um das Auge optisch zu verlängern und anzuheben.
Muss ich immer einen Primer für mein Augenlid benutzen?
Es wird dringend empfohlen. Bei einem hängenden Augenlid reibt die Haut häufiger aneinander, was dazu führt, dass sich Lidschatten schneller in der Lidfalte absetzt und verwischt. Ein guter Lidschatten-Primer schafft eine Barriere, die dies verhindert, die Farben intensiviert und dafür sorgt, dass Ihr Augen-Make-up den ganzen Tag frisch und makellos aussieht. Er ist die beste Versicherung für Ihre kunstvolle Arbeit am Augenlid.








